Samstag, 7. März 2026

MÜNCHEN: DER MEISTER UND MARGARITA

„das problem ist nicht, dass die menschen nicht mehr an gott glauben, das problem ist, dass sie nicht an den teufel glauben“, sagt der teufel. er besucht moskau, ist getarnt als deutscher tourist, nennt sich woland und hält den menschen den spiegel vor, entlarvt ihre verführbarkeit, ihre heuchelei, ihre kollektive dumpfheit. „der meister und margarita“ von michail bulgakow, 1940 vollendet, erst 1966 erschienen, ist ein 500seitiger romanrausch. daraus macht regisseurin jette steckel an den münchner kammerspielen einen vierstündigen theaterrausch, sie nennt ihn „ein metaphysischer thriller“. ihr teufel besucht nicht bloss moskau, sondern das theater und also uns. na dann, auf geht´s, wer die entsprechende kondition mitbringt, wird reichlich belohnt: vier stunden krimi und witz und liebe und philosophie. steckel mischt tüchtig auf, da ist der meister, der einen roman über pontius pilatus und dessen feigheit schreibt und von der stalinistischen zensur zum schweigen verdammt wird, da ist bulgakows eigene biografie, die sich darin widerspiegelt, da ist woland, der die seelen der menschen kaufen will und sie günstig bekommt, alles irgendwie faust hoch sieben. und das mit starbesetzung: der mit vielen preisen geehrte thomas schmauser als meister und bulgakow, brillant als gejagter, verzweifelter, durchgeknallter, und die grosse wiebke puls als teufel im nadelstreifenanzug, silberne zähne, schwarze mähne, mit charmantestem grinsen durchschaut sie alles und jeden, man sitzt im parkett und fühlt sich sofort mitgemeint. ferner: ein von der strassenbahn geköpfter theaterdirektor auf der maximilianstrasse, geldregen im saal, steptanz, eiskalte psychiatrie, eine nackte hexe im pausenfoyer, akrobatik im bühnenhimmel, dialektik für fortgeschrittene, hypnose-workshop mit dem gesamten publikum, darknews, kurz: unsere welt. es ist ein rausch, ein fest der bilder, ein fiebertraum, es ist der irrsinn einst und jetzt. diese inszenierung („dedicated to all artists in isolation“) ist alleroberste liga und hat das zeug zum kult. das publikum bleibt hellwach, der applaus will nicht enden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen