Samstag, 11. April 2026

ZÜRICH: MONSTER

das schauspielhaus zürich kämpft mit leeren reihen, die auslastung ist an manchen abenden besorgniserregend - und das dürfte sich so schnell nicht ändern. „monster“ heisst die neuste produktion, laut homepage-promo erschliesst sie „die verknüpfungen von universeller subjektpsychologie und individueller selbstwerdung auf sozialpolitischer ebene“. weckt man mit derartigen phrasen die lust auf theater? so reden und schreiben dramaturginnen, die das adorno/horkheimer-seminar nicht gut verdaut haben. wir gingen trotzdem hin. mit „monster“ arbeitet sich das regisseurinnen-trio anta helena recke, anna froelicher und maxi menja lehmann an der beziehung zwischen mutter und kind ab, an übermüttern und monstermüttern. sieben ziemlich coole kinder tummeln sich auf der bühne, spielen mit stofftieren und baseballschlägern, verlieren sich zwischen idolen (madonna) und albträumen (ein riesiger polizist) und: sie haben fragen, viele fragen an die mütter. doch diese, drei schauspielerinnen, reagieren nicht auf die fragen, sondern sprachlos, hilflos oder mit monologen, die mit den kinderfragen nichts zu tun haben. dazwischen werden in zeitlupe betten herumgeschoben und stoffberge gewälzt, alles wird bedeutungsschwanger aufgeladen und läuft doch nur ins leere: das kollektive unbewusste oder pure banalität? die sieben kinder sind dunkelhäutig, die drei schauspielerinnenmütter nicht, denn auch „der öffentliche diskurs über weisse mütter und nicht-weisse kinder“ soll hier noch reingepackt werden. das mag für die dunkelhäutige unter den regisseurinnen ein zentrales lebensthema sein, im schweizer alltag gehört es nicht zu den virulentesten problemen. und auch diesem „diskurs“ fehlt auf der bühne jede tiefe. der überambitionierten ankündigung des schauspielhauses folgt also ein unterkomplexer abend, der das publikum weder auf der sinnlichen noch auf der geistigen ebene sonderlich bereichert und berührt. adorno würde sich langweilen. 

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