elektra soll susanne klatten beseitigen, die reichste frau deutschlands, bmw-erbin, vermögen 40 milliarden, eher mehr. in sachen blutrache hat elektra ja erfahrungen gesammelt mit ihrer mutter klytaimnestra. also los, sagten sich sofie boiten (recherche) und lorenz nolting (regie) am münchner volkstheater und setzen sophokles' elektra auf frau klatten an. muss man drauf kommen, aber ja, die vergangenheit lauert überall. die bmw-familiendynastie wurde dank geschäften mit der wehrmacht und ausbeutung von zwangsarbeitenden zu dem, was sie heute ist. für diese verstrickungen findet susanne klatten nach wie vor entlastungsnarrative. das macht elektra rasend. "elektra - 750 ps vergangenheitsüberwältigung" heisst dieses konstrukt und ist während den ersten 70 minuten purer klamauk: die leute aus der antike und die aus der autoindustrie schreien hysterisch, meistens alle gleichzeitig, und hüpfen slapstickmässig über die bühne, was der ernsthaftigkeit des themas peinlichst entgegensteht. man erduldet ein unbeschreibliches und nerviges tohuwabohu. ist das noch theater oder ist das schon tiktok? sich mit billigen methoden ans publikum ranwanzen, liebe theaterleute, ist das nicht das rezept der populisten? es folgt dann, andere tonart, ein viertelstündiger sehr moralischer monolog von elektra über verfolgung, vernichtung, verdrängung, verantwortung und übers heilige benzin. und schliesslich sind wir mit elektra und orest per video auch noch im auto unterwegs zu frau klatten. doch der rachefeldzug der beiden und das video enden, wen wundert's, abrupt an der pforte der bmw-werke. so what? es ist ein chaos der inhalte und ein chaos der stilmittel und irgendwie symptomatisch für das chaos der deutschen mit ihrer vergangenheitsbewältigung: die einen wollen sich nicht mehr erinnern, die anderen wollen sich viel mehr erinnern. dieser widerspruch ums schwere erbe wird deutschland noch über generationen beschäftigen. bestimmt demnächst auch wieder in ihrem theater!
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