Freitag, 29. Mai 2026

LUZERN: ATEMBERAUBEND! DIESE WELT!

mister verkehrshaus nannten ihn alle, denn das erfolgreichste museum der schweiz war sein lebenswerk. quasi im alleingang, ohne führungserfahrung und ohne projekterfahrung startete der ehemalige sbb-beamte alfred waldis im sumpf beim luzerner lido diese erfolgsgeschichte, 1959 wurde das verkehrshaus eröffnet, 20 jahre lang war waldis dessen direktor, danach präsident und ehrenpräsident. ein aussergewöhnlicher mann, eine aussergewöhnliche leistung. der luzerner dokumentarfilmer beat bieri setzt waldis mit „atemberaubend! diese welt!“ jetzt ein filmisches denkmal. mit überbordendem archivmaterial, gesprächen mit waldis‘ söhnen, nachfolgenden verkehrshaus-direktoren und anderen zeitzeugen entsteht ein umfassendes bild, das als anforderungsprofil für einen erfolgreichen macher herhalten kann: eine grenzenlose leidenschaft für die sache, unermüdlicher innovationsgeist, hartnäckigkeit – und die lust und die energie, unmögliches möglich zu machen. waldis holte bundesräte ins boot, lud die apollo-astronauten ein, liess eine swissair-coronado von alpnachstad über den see zum verkehrshaus transportieren, baute das erste planetarium der schweiz, eine attraktion nach der anderen, ja, atemberaubend. von a bis z alles nur toll? nein. waldis konnte schlecht delegieren, er reagierte auf die negativen seiten der technik-euphorie erst mit verzögerung, er konnte nach seinem abgang nicht loslassen und am allermeisten litt seine familie. er lebte fürs verkehrshaus, war praktisch nie zuhause, obwohl die familie durch eine jahrzehntelange, schwere krankheit seiner frau sehr gefordert war. dass er alles seinem beruf, seiner berufung geopfert hatte – das zeigt der film anhand eines mehrseitigen briefes aus dem nachlass sehr eindrücklich –, trieb ihn in existenzielle nöte und lag wie ein grosser schatten über seinen letzten jahren. pioniergeist hat risiken und nebenwirkungen, der film von beat bieri weicht ihnen nicht aus. 

das stattkino luzern zeigt den film noch zwei mal: am sonntag, 31. mai, um 11 uhr, und am mittwoch, 3. juni, um 14 uhr. 

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