als erstes kriegt man eine taschenlampe in die hand gedrückt. denn düsteres steht bevor. "where do we go when the final wave hits" heisst die ausstellung in der "halle 14", dem leipziger zentrum für zeitgenössische kunst: es sind krasse bilder zum klimawandel. vier jahre lang war der indische fotograf arko datto in den sundarbans unterwegs, dem riesigen mangrovenwalddelta zwischen westbengalen und bangladesch. die wälder schwinden, weil der meeresspiegel steigt, und die menschen, die am wenigsten verantwortlich sind für den klimawandel, weil ihr ökologischer fussabdruck nach null tendiert, spüren ihn am heftigsten. arko datto zeigt häuser, die wegschwimmen, einen schakal, der in den wassermassen die orientierung verloren hat, er zeigt menschen, die nur noch über tausende von sandsäcken zu ihren dörfern gelangen, und andere, die in plastiktaschen ihre habseligkeiten zu retten versuchen, das meer steigt und mit ihm die verzweiflung. datto fotografierte ausschliesslich nachts und mit blitzlicht, alles beunruhigend, alles gespenstisch, also genau so wie es diese menschen tag für tag erleben. die "halle 14" präsentiert dattos grossformate in einem dunklen raum, man kann die farbintensiven bilder nur mit taschenlampe betrachten, viele hängen nicht, sondern stehen schief angelehnt an den wänden oder liegen zwischen vielen sandsäcken am boden - wie angeschwemmt, die katastrophe als installation. ja, wohin gehen diese menschen im sundarbandelta, wenn die letzte welle zuschlägt, wenn die sandsäcke nicht mehr helfen? vielleicht zu denen, die den klimawandel verursachen, vielleicht zu uns. das meer wird millionen menschen in andere gegenden, andere länder, andere erdteile schwemmen. arko dattos bilder dokumentieren den beginn einer gigantischen klima-migration.
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