schon die playlist, die sich serge aimé coulibaly zusammengemixt hat, könnte disparater nicht sein: harte afro-beats und richard wagner, choräle, helene-fischer-kitsch, klagelieder, nix passt zu nix und ergibt doch ein ganzes. „balau“ heisst der abend, den der choreograf aus burkina faso für die münchner kammerspiele schuf. balau bedeutet in seiner heimat schicksalsschlag. eine braut stirbt während der hochzeitszeremonie – balau. eine gruppe wird von einem mysteriösen gasnebel überrascht – balau. balau in afrika, balau in europa, immer und überall. vier frauen und vier männer, drei exzellente aus der coulibaly-truppe und fünf tänzerisch hochbegabte vom kammerspiel-ensemble tanzen sich 70 minuten lang die seele aus dem leib, zucken und zerren und zeigen den menschlichen körper als archiv der gesellschaftlichen und individuellen träume und traumata: entwurzelte körper, blutende, beschwipste, unterdrückte, geschändete körper. wenn das schicksal zuschlägt, reagiert jeder anders, angst, trauer, panik, die einen isolieren sich, die anderen suchen halt in der gemeinschaft oder lösen sich auch wieder von ihr: „es gibt tote winkel der empathie“, heisst es einmal im kraftvollen text, den der kongolesische schriftsteller fiston mwanza mujila zu dem abend beisteuerte. so vermischen sich der unter dem gewaltigen soundteppich nicht immer verständliche text und der tanz, der ballast der vergangenheit und die assoziationen der gegenwart, schreie und schweigen, enttäuschung und hoffnung, das banale und das tiefgründige. und wir lassen uns von afrika inspirieren, von der kraft seiner rituale und der kraft seiner poesie: „ich hab meine träume in den kühlschrank gelegt, morgen während der sonnenfinsternis hole ich sie wieder raus.“ das disparate ist konzept an diesem abend, er macht glücklich und traurig und manchmal ratlos.
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