männer kommen hier keine vor. geht ganz gut auch ohne. dafür jede menge frauen, hexen, geister, engel und tiere. „bestie, bellezze e altre compagne“ heisst die ausstellung im haus für kunst uri, sie beschert mit diesen tieren, biestern, schönheiten und anderen gefährtinnen einen umfassenden einblick ins schaffen der mittlerweile 83jährigen basler künstlerin annette barcelo. da geht es zu wie in den wildesten träumen, das unbewusste, das beängstigende und verdrängte findet seinen niederschlag auf der leinwand. ihr werk wird hier ausgesprochen grosszügig präsentiert, in sechs räumen auf zwei etagen, üppig, aber nicht überladen. es sind kräftige bilder in kräftigen farben – und die erklärte lieblingsfarbe von barcelo ist schwarz. so düster, wie das möglicherweise klingen mag, wirkt diese schau in die abgründe der nacht aber keineswegs, sondern viel eher archaisch, mysteriös und auch kauzig und witzig: „ich tanze mit meiner schildkröte“ heisst ein bild, „zum fressen gern“ ein anderes. frauen mit spitzen brüsten und viel zu vielen zähnen liegen unter getüpfelten bettdecken, bewacht von monstern mit ebenfalls völlig überdimensionierten gebissen. der tod schaut als fledermaus vorbei und ist, klar, eher eine tödin. fabeltiere lecken an engeln, die die jugend schon ein weilchen hinter sich haben. barcelos phantasiewelt erinnert mit ihrem unerschöpflichen reichtum an shakespeare-stücke, gut und böse, reich und arm, könig und narr, tag und traum und tod, alles in inniger beziehung. zu den rätselhaften bildern dringt aus dem dachstock der geheimnisvolle sound einer installation von aio frei, ein elektronisch verfremdeter betruf, wolfstöne, flackerndes. das haus für kunst bietet also eine volle dosis mit sagenhaften figuren, seelentieren, mythen, klängen, naturgewalten. mehr uri geht nicht.
nur noch bis sonntag, 10. mai