am schluss werfen sie pflastersteine nach ihr: christine, die fremde, die aussenseiterin, die hauptfigur in „die schwarze spinne“ von jeremias gotthelf. pflastersteine knallen auf die bühnenbretter im voralpentheater, das fährt ein. der luzerner autor kurt bösch befreite gotthelfs novelle von zu viel biedermeier und schrieb für die theatergruppe greyhounds eine lebenspralle mundartfassung über die soziale dynamik dieser dorfgemeinschaft, die von einem tyrannen terrorisiert wird und keinen ausweg findet aus dieser not. „mier hend üs no immer sälber ghulfe“ schreien sie, ein ebenso lauter wie hilfloser mob, das arbeitet die inszenierung von reto ambauen sehr bildhaft heraus, die nahtlos zwischen saftigem laienspiel und chorischem erzählen switcht. die durch ihre schlichtheit bestechende bühne von bernadette meier (eine kirchenglocke, eine bretterwand im hintergrund, darüber schwere gewitterwolken) und der suggestive soundteppich von christov rolla tragen viel bei zur packenden atmosphäre in diesem spiel um macht und ohnmacht, um folgenschwere entscheidungen und unlösbare dilemmas. christine, die zugezogene, will helfen, ergreift als einzige die initiative, sucht nach einer lösung; ausgesprochen differenziert spielt susanne hajas eberle das ringen dieser frau, die im dienste des gemeinwohls einen verhängnisvollen pakt eingeht mit dem teufel, den markus roos als charmant-schelmischen verführer zeigt. es klappt nicht, die pläne scheitern, der teufel schickt die schwarze spinne und damit den tod. doch dies ist nicht das scheitern einer einzelnen, sondern das scheitern der gesamten dorfgemeinschaft – und trotzdem wird christine zum sündenbock gemacht, verleumdet und gejagt. die fremde als projektionsfläche für alle ängste, tabus und abgeschobene verantwortung. wichtige themen, die alle betreffen, in einer kraftvollen sprache, die alle verstehen, umgesetzt in starke bilder, die alle berühren: das ist volkstheater im allerbesten sinn.
noch vier vorstellungen: am 23./24./26./27. juni