er war ein totaler theaterfreak, er war ein schlechter politiker und er wurde bei einem maskenball ermordet: gustav III., könig von schweden (1746-1792). giuseppe verdi setzte ihm als riccardo in „un ballo in maschera“ ein musikalisches denkmal. und weil dieser könig selber stücke schrieb und liebend gerne die hauptrolle spielte darin, macht regisseur roman hovenbitzer am augsburger staatstheater aus diesem gustav/riccardo einen von sich selbst berauschten regisseur, der vom regiepult aus, mitten im parkett, seinen eigenen untergang in szene setzt. theater im theater mal wieder, bei dieser historischen vorlage eine nachvollziehbare idee, doch die umsetzung gerät vor allem ärgerlich: die verhängnisvolle liebe riccardos zur frau seines besten freundes und seine unterbewusste todessehnsucht werden hier im stil der commedia dell’arte hektisch und dümmlich dargeboten, man kriecht unter den tisch, man kasperlt mit perücken, man fuchtelt mit pistolen. das ist ein grandioses missverständnis, weil: „un ballo in maschera“ ist vieles, nur ganz bestimmt keine komödie. das zweite missverständnis: hovenbitzer überfrachtet sämtliche szenen auch noch mit videosequenzen, sprayereien und gesprochenen texten aus dem off, das hat verdi nicht nötig, seine musik sagt alles und sie sagt es besser. immerhin lässt sich dirigent ivan demidov vom geschehen auf der bühne nicht unterkriegen und formt mit den glänzend disponierten augsburger philharmonikern einen intensiven, emotionalen, affektgeladenen verdi-klang. auf hohem niveau auch die stimmen aller, wirklich aller protagonistinnen und protagonisten. mit geschlossenen augen ist dieser „ballo“ eine pure freude. der todeskampf gustavs III. nach dem attentat dauerte in wirklichkeit 13 tage, verdi verdichtet ihn im finale auf ein paar wenige hochdramatische minuten. die wirken für sich, die brauchen keinen überambitionierten regisseur.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen