Donnerstag, 19. März 2026

MÜNCHEN: AUF UND AB

ist es zufall? vorsehung? oder einfach dumm gelaufen? darum drehen sich die zwei todtraurigen geschichten, die die bayerische theaterakademie im prinzregententheater in münchen zu einem operndoppel mit dem titel „auf und ab“ verpackt: in „i due timidi“ von nino rota (1950) müssen mariuccia und raimondo die falschen heiraten, weil sie immer und immer wieder den richtigen moment verpassen, sich ihre grosse liebe zu gestehen. in „le pauvre matelot“ von darius milhaud (1927) ermordet eine frau unwissentlich den eigenen gatten, der nach 15 jahren auf den weltmeeren zurückkehrt und sie überraschen will. regisseur ingo kerkhof gelingt das kunststück, die zwei einakter zu einem ganzen zu verbinden, optisch durch eine an fellini angelehnte ästhetik auf einer permanent hin und her kippenden guckkastenbühne, inhaltlich durch eingestreute diskurse und projektionen über kettenreaktionen, missverständnisse, determinismus, inclusive schrödingers „the total number of minds in the universe is one“. so entsteht ein gelegentlich etwas überladenes, doch immer anregendes philosophisch-poetisches variété, oper mit beipackzettel sozusagen. musikalisch sind die beiden werke sehr unterschiedlich: nino rota, der später mit seinen filmmusiken zu weltruhm gelangte („la strada“, „il gattopardo“, „der pate“), komponierte „i due timidi“ als radiooper und noch stark von puccini beeinflusst; sie wird hier erstmals szenisch aufgeführt. darius milhaud dagegen war offenkundig auf der suche nach einer neuen musiksprache. bei beiden partituren bringt peter rundel mit dem münchner rundfunkorchester transparent und frisch den ganzen musikalischen reichtum zum klingen. die absolventinnen und absolventen des masterstudiengangs gesang interpretieren die hauptpartien, vielversprechende stimmen auf höchstem niveau, kurz: es singen hier die stars von morgen.

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