wer geht denn in 20 jahren noch ins theater? wo führt
das hin, wenn das opernpublikum schon heute deutlich ü60 ist? diese fragen waren auch im vorfeld der volksabstimmung zum luzerner theater immer wieder zu
hören – und sie haben durchaus ihre berechtigung. theater? zukunft? passt das
zusammen? die „süddeutsche zeitung“ stellte diese frage jetzt tobias kratzer, einem
der aktuell gefragtesten opernregisseure und ab sommer intendant der staatsoper
in hamburg. „konkret kann ich sagen, dass ich nicht glaube, dass die zukunft
darin besteht, die 20 bis 40 immergleichen stücke jedes jahr neu durch den
interpretationswolf zu drehen.“ sondern? „es geht darum, das repertoire
zu erweitern, vor allem auch durch stücke, die es noch gar nicht gibt, also
werke in auftrag zu geben.“ kratzer wird zum start in hamburg ein neues werk
von elfriede jelinek und olga neuwirth inszenieren („monster’s paradise“, das plakat zeigt ein rosa ungeheuer auf dem weissen haus), es
gibt „stockhausen für kinder“ undundund. ja, das theater wird sich verändern,
es muss sich verändern, neue themen, neue töne, neue geschichten. innerhalb von
zwei monaten bin ich jetzt gleich mehrfach eingetaucht in zeitgenössisches
musiktheater: „echo 72“ in hannover, „il prigioniero“ (requiem für einen
gefangenen) in luzern, „written on skin“ in münchen. das ist alles keine musik,
die man beim kochen mitpfeifen kann, das ist hochkomplex, sperrig, eine
herausforderung für mitwirkende und publikum – und oft begreift man die musik erst
durch die bilder und szenen, die dazu erfunden werden. dann aber sind diese
werke, wenn man sich darauf einlässt, von einer bezwingenden intensität
und dringlichkeit. so bleibt theater ein spiegel der zeit, so bleibt theater
relevant. deshalb schaue ich mir „written on skin“ von der bayerischen
theaterakademie heute gleich noch ein zweites mal an. hier schlägt der puls der zukunft.
Dienstag, 25. März 2025
LUZERN/MÜNCHEN/HAMBURG: THEATER DER ZUKUNFT
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