Montag, 24. März 2025

MÜNCHEN: WRITTEN ON SKIN

„push our love into that man’s eye like a hot needle.“ vordergründig ist die oper „written on skin“ eine klassische dreiecksgeschichte, ein eifersuchtsdrama: mann unterdrückt frau, frau findet jungen liebhaber, mann tötet liebhaber, frau nimmt sich das leben. der englische dramatiker martin crimp und der komponist george benjamin machten daraus 2012 fürs festival von aix-en-provence ein grandios vielschichtiges musiktheater: mittelalterliche motive und gegenwart, traum und wirklichkeit verbinden sich, elemente aus verschiedensten kulturen blitzen auf, engel werden zu realen figuren. diese orgie der zwischenwelten präsentiert die bayerische theaterakademie jetzt als kongeniale aufführung im münchner prinzregententheater. die bühne von angelika höckner ist ein phantastisches diorama mit versatzstücken aus diversen epochen: ein grammophon, ein boot, eine kuckucksuhr, ein motorrad, antike säulen, exotische tiere, ein panzer – alles staubgrau. in dieser tristen, rätselhaften welt lässt regisseur balázs kovalik die figuren nach farben suchen, nach ihren farben, nach ihrer eigentlichen bestimmung, behutsam zunächst, dann immer hektischer. so korrespondiert die visuelle ebene vorzüglich mit den klangfarben, die dirigent peter rundel mit dem münchner rundfunkorchester entfaltet, das zarte der streichersequenzen verrutscht immer wieder ins brutale des üppigen schlagwerks, diese seelenmusik entwickelt einen enormen sog. jakob schad als autoritärer mann, annabelle kern als sich emanzipierende frau (beide studierende der hochschule für musik und theater) und der countertenor elmar hauser als engel, der zum liebhaber wird, laden das dreieck stimmlich und sinnlich auf bis zur finalen explosion, wenn der mann seiner frau das herz des toten liebhabers als delikatesse serviert. diese story, diese musik brennen sich ein „like a hot needle“. wie eine heisse nadel.

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