„push our love into that man’s eye like a hot needle.“ vordergründig
ist die oper „written on skin“ eine klassische dreiecksgeschichte, ein
eifersuchtsdrama: mann unterdrückt frau, frau findet jungen liebhaber, mann
tötet liebhaber, frau nimmt sich das leben. der englische dramatiker martin
crimp und der komponist george benjamin machten daraus 2012 fürs festival von
aix-en-provence ein grandios vielschichtiges musiktheater: mittelalterliche
motive und gegenwart, traum und wirklichkeit verbinden sich, elemente aus
verschiedensten kulturen blitzen auf, engel werden zu realen figuren. diese
orgie der zwischenwelten präsentiert die bayerische theaterakademie jetzt als kongeniale
aufführung im münchner prinzregententheater. die bühne von angelika höckner ist
ein phantastisches diorama mit versatzstücken aus diversen epochen: ein
grammophon, ein boot, eine kuckucksuhr, ein motorrad, antike säulen, exotische
tiere, ein panzer – alles staubgrau. in dieser tristen, rätselhaften welt lässt
regisseur balázs kovalik die figuren nach farben suchen, nach ihren farben,
nach ihrer eigentlichen bestimmung, behutsam zunächst, dann immer hektischer. so
korrespondiert die visuelle ebene vorzüglich mit den klangfarben, die dirigent
peter rundel mit dem münchner rundfunkorchester entfaltet, das zarte der
streichersequenzen verrutscht immer wieder ins brutale des üppigen schlagwerks,
diese seelenmusik entwickelt einen enormen sog. jakob schad als autoritärer
mann, annabelle kern als sich emanzipierende frau (beide studierende der
hochschule für musik und theater) und der countertenor elmar hauser als engel,
der zum liebhaber wird, laden das dreieck stimmlich und sinnlich auf bis zur
finalen explosion, wenn der mann seiner frau das herz des toten liebhabers als
delikatesse serviert. diese story, diese musik brennen sich ein „like a hot
needle“. wie eine heisse nadel.
Montag, 24. März 2025
MÜNCHEN: WRITTEN ON SKIN
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