Freitag, 28. März 2025

HAMBURG: UBU

was soll man sagen? „so viel wahnsinn war noch nie“ betitelt das „hamburger abendblatt“ heute seinen kommentar zu trumps neusten zoll-drohungen. was soll man sagen? am vorabend im thalia theater „ubu“ gesehen, auch viel wahnsinn, sehr viel wahnsinn: die geschichte eines spiessbürgerlichen, inkompetenten, intellektuell unterdotierten egomanen, der - zack-zack - zum irren tyrannen wird. johan simons packt die drei stücke über könig ubu, die alfred jarry vor über hundert jahren schrieb und die als ursprung allen absurden theaters gelten, in einen einzigen kompakt-aberwitzigen abend und dies mit crossgender-starbesetzung: marina galic als ubu, ihr mann jens harzer als ubus frau, eine art lady macbeth von der ganz üblen sorte. die beiden geben alles, in höllischem tempo, sie überzeichnen, was das zeug hält, verändern gesetze, verhöhnen beamte, quälen alle mit irrationalen steuern, saufen blut, streicheln einen bären, spielen mit verkoteten wc-bürsten – alles ganz so wie alfred jarry es haben wollte: kasperlitheater voll abartig, ein frontaler anschlag aufs klassische drama, der totale dada-quatsch mit dämonischen zügen. und was soll man sagen? der ganze schrecken verpufft irgendwie, die reinigende wirkung, die übertreibung ja durchaus haben kann, bleibt aus. es ist eine enttäuschung der anderen art: man sitzt da, erschüttert vom gedanken, wie prophetisch dieser jarry die welt sah, erschüttert vom gedanken, dass dieses stück als spiegel der zustände nicht (mehr) funktioniert, weil die realen zustände die wilde phantasie längst überholt haben. die grossen irren in washington und moskau und ankara stellen herrn und frau ubu kalt in den schatten. das will was heissen. so viel wahnsinn war in der tat noch nie.

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