Montag, 17. März 2025

LUZERN: REQUIEM FÜR EINEN GEFANGENEN

dass das luzerner theater zwei wenig bekannte werke, die zwölfton-oper „il prigioniero“ von luigi dallapiccola (1948) und das d-dur-requiem von jan dismas zelenka (1733) zu einem abend über folter, hoffnung und erlösung kombiniert, ist verdienstvoll und mutig – und dirigent jörg halubek gelingt mit dem luzerner sinfonieorchester ein spannender bogen von der moderne back to barock. damit hat sich´s leider schon. denn ein bühnenbildner ist kein regisseur: „hausszenograf“, wie sich valentin köhler gerne nennt, tönt zwar super, ist aber keine garantie für ein schlüssiges regiekonzept. ein haufen asche, um den er trauernde bedeutungsschwanger drappiert, ist das originellste, was köhler zum zelenka-requiem einfällt. daneben bietet er eine halbe stunde lang, man traut seinen augen nicht, eine einführung in die möglichkeiten der bühnentechnik: die bühnenarbeiter werden zu protagonisten, trockeneiskanone, pyrotechnik, schnee- und windmaschine, alles wird aufgefahren, und wenn der chor „tränenreich ist der tag“ singt, wird allen ernstes gezeigt, wie regen aus dem bühnenhimmel funktioniert. keine assoziation zu billig. sängerinnen und sänger? gibt´s auch, durchs band jung und motiviert, sie werden allerdings ins dunkel des orchestergrabens und des zweiten rangs entsorgt. mehr an den rand kann man die musik nicht drängen. der zweite teil des doppelabends also vor allem ärgerlich. und der erste? wie der türkische bariton levent bakırcı die ängste, zweifel und hoffnungen des gefolterten gefangenen mit warmer, eindringlicher stimme gestaltet, ist ein ereignis!! seine träume und albträume werden von regisseurin aniara amos aber mit einer endlosen fülle spotartiger szenen erstickt. aufgeschlitzte körper, grinsende priester, sich überlagernde fratzen, bedrohliche schwäne, die mutter als ausserirdische hexe im fatsuit, das ist psychologie total, das ganze innenleben des gefangenen als optischer overkill: ein bilderrätsel für fortgeschrittene, das – auch hier – die grossartige musik leider in den hintergrund befördert.

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