im gelben ölzeug steht die kleine senta in einer ecke der kneipe und beobachtet, wie hier von einer schiffskatastrophe angespülte leichen deponiert werden. als sie allein ist, erwacht ein ertrunkener in einem der leichensäcke wieder zum leben. das mädchen ist traumatisiert. in der inszenierung von intendant hermann schneider am landestheater linz muss nicht nur der fliegende holländer mit seinem fluch leben, alle sieben jahre an land zu gehen, um eine frau zu finden, die ihm treu ist bis zum tod. nach ihrem schockerlebnis als kind geistert hier auch senta ruhelos durchs leben, ihr fluch ist das helfersyndrom, opferbereitschaft und todessehnsucht überlagern sich, sie will diesen mann erlösen, um jeden preis: „mit ihm muss ich zugrunde gehn.“ das tragische schicksal der beiden begleitet die regie mit grosser empathie. mal ganz zart, mal hochdramatisch zeichnet erica eloff die zerrissenheit dieser frau, und gemeinsam mit dem stimmgewaltigen, diabolischen aris argiris als holländer tauchen sie mehr und mehr ein in das schaurig-romantische dunkel von richard wagners melodien. mit ihrer fesselnden interpretation steigern die beiden die spannung erheblich mehr als das doch recht plakative, gleichförmige dirigat von david afkham (einspringer). zur tiefenwirkung des abends trägt ganz wesentlich auch die bühne von dieter richter bei: hafenatmosphäre im breitleinwandformat, des holländers schiff ein riesiger rostiger tanker, wogende wellen, in der ferne ein leuchtturm, die emotionalen stürme und seelenqualen der protagonisten finden so ihre bildstarke entsprechung. zu den schlussakkorden besteigt der ewige holländer sein ewiges schiff, am ufer nimmt die erwachsene senta das mädchen senta in die arme, sie blicken aufs wilde meer – vergangenheit, gegenwart und zukunft umarmen sich. überwindung des fluches? erlösung im tod? alles bleibt offen.
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