eine baumkrone im nirgendwo, keine blätter mehr, nur plastikmüll hat
sich darin verfangen. sonst alles dunkel, alles leer. „beyond“ heisst der neue
tanzabend am luzerner theater. beyond? jenseits des grossen krieges? jenseits
des klimakollapses? jenseits unseres vorstellungsvermögens? in der choreografie
des singapurer künstlers swee boon kuik hat die menschheit den super-gau knapp
überlebt: ein haufen versehrter kreaturen robbt sich sachte zurück ins leben,
wir blicken auf ein existenzielles drama. immer knistert oder kracht es
irgendwo, doch sie geben nicht auf, suchen festen boden, suchen halt bei den
anderen. das ist es, was swee boon kuik interessiert: mit der kraft der körper
und des körperkontakts krisen zu meistern. hier wird resilienz ausgesprochen
bildhaft dargestellt. das ist mehr als tanz, das sind bewegte und bewegende
körperskulpturen, ein eindrückliches wechselspiel zwischen solidarität, synchronität
und individualität. der zweite teil des abends nimmt die thematik nahtlos auf: weil
digitalisierung und rastlosigkeit zu einem verlust an menschlichen kontakten
geführt haben, weniger handschläge, weniger umarmungen, weniger empathie, will die
us-choreografin andrea miller ein radikales kontrastprogramm liefern. in warme
rot- und orangetöne getaucht bieten die fünf tänzerinnen und fünf tänzer des
luzerner ensembles körperliche erfahrungen, wie man sie in dieser fülle und
vielfalt selten gesehen hat, ein überbordender tänzerischer rausch, mal solistisch,
oft zu zweit, immer wieder im körpergewusel. das ist grossstadthektik, das ist
bodybuilding, folklore, akrobatik, kamikaze, voodoo – und vor allem: power,
power, power. das publikum reagiert begeistert, standing ovation.
Freitag, 25. Oktober 2024
LUZERN: BEYOND
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