Freitag, 25. Oktober 2024

LUZERN: BEYOND

eine baumkrone im nirgendwo, keine blätter mehr, nur plastikmüll hat sich darin verfangen. sonst alles dunkel, alles leer. „beyond“ heisst der neue tanzabend am luzerner theater. beyond? jenseits des grossen krieges? jenseits des klimakollapses? jenseits unseres vorstellungsvermögens? in der choreografie des singapurer künstlers swee boon kuik hat die menschheit den super-gau knapp überlebt: ein haufen versehrter kreaturen robbt sich sachte zurück ins leben, wir blicken auf ein existenzielles drama. immer knistert oder kracht es irgendwo, doch sie geben nicht auf, suchen festen boden, suchen halt bei den anderen. das ist es, was swee boon kuik interessiert: mit der kraft der körper und des körperkontakts krisen zu meistern. hier wird resilienz ausgesprochen bildhaft dargestellt. das ist mehr als tanz, das sind bewegte und bewegende körperskulpturen, ein eindrückliches wechselspiel zwischen solidarität, synchronität und individualität. der zweite teil des abends nimmt die thematik nahtlos auf: weil digitalisierung und rastlosigkeit zu einem verlust an menschlichen kontakten geführt haben, weniger handschläge, weniger umarmungen, weniger empathie, will die us-choreografin andrea miller ein radikales kontrastprogramm liefern. in warme rot- und orangetöne getaucht bieten die fünf tänzerinnen und fünf tänzer des luzerner ensembles körperliche erfahrungen, wie man sie in dieser fülle und vielfalt selten gesehen hat, ein überbordender tänzerischer rausch, mal solistisch, oft zu zweit, immer wieder im körpergewusel. das ist grossstadthektik, das ist bodybuilding, folklore, akrobatik, kamikaze, voodoo – und vor allem: power, power, power. das publikum reagiert begeistert, standing ovation.

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