würden sie sich
einen film mit dem titel „die dentalhygienikerin“ anschauen? ganz ähnlich ging
es mir bei „der umzugskoordinator“. der titel wirkt, nun ja, nicht gerade
magnetisch. doch dahinter verbirgt sich ein absolut sehenswertes porträt der
luzerner dokumentarfilmerin ursula brunner über andrea capella: der kurz vor
der pensionierung stehende erledigt im auftrag der sozialen dienste der stadt luzern
umzüge für menschen, die es allein nicht mehr schaffen, ältere und suchtkranke und
geistig unsortierte. die übungsanlage für diesen film könnte leicht zu einem
missgriff ins voyeuristische verleiten, denn man bewegt sich durch die
wohnungen dieser menschen, durch chaos und kitsch und müll, doch im zentrum
steht immer umzugskoordinator capella, sein organisieren, sein zupacken, sein
verständnis für heikle momente. so wird dieses porträt zu einem
regelrechten lehrstück über das loslassen und vor allem über die hilfe beim
loslassen. andrea capella ist mehr psychologe und philosoph als zügelmann, er
hat in seiner eigenen biografie schwierige phasen bewältigen müssen, und es
berührt in jedem der gezeigten fälle von neuem, mit welcher empathie er den
klientinnen und klienten begegnet. einen begleitet er auf dem schwierigen gang
in die psychiatrie nach st. urban und bringt danach seine messie-höhle wieder
auf vordermann („der mensch braucht eine höhle“). capella zeigt viel feingefühl
für diese menschen, für ihre ängste, lässt ihnen zeit, stellt subtile fragen –
und scheut sich trotzdem nicht vor klaren ansagen. mit vielen liebevollen
details zeigt der film, wie diese menschen dem umzugskoordinator ans herz
wachsen und wie umgekehrt sie seine unterstützung und seine direkte art
schätzen. man lernt einen faszinierenden mann kennen und bekommt
anschauungsunterricht: nicht um den brei herumreden, auch wenn’s schwierig ist.
das funktioniert, das gegenüber fühlt sich ernst genommen.
Montag, 4. Mai 2026
LUZERN: DER UMZUGSKOORDINATOR
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