Donnerstag, 2. Juli 2026

CEVIO: METAMORFOSI DI UNA VALLE

lauter schwarzgekleidete herren, ernst und stolz ihre mienen, ein feierlicher moment, ein historischer tag: einstimmig erteilt der grosse rat des kantons tessin am 10. märz 1949 die konzession für die wasserkraftwerke im maggiatal. dieses fotodokument, jetzt im museo di valmaggia in cevio zu sehen, markiert den start eines gigantischen unterfangens („grandiosa impresa“ schwärmte das giornale del popolo). 7 stauseen, 6 kraftwerke, 35 wasserfassungen, 140 kilometer stollen wurden zwischen 1950 und 1966 im oberen tessin von tausenden von arbeitern gebaut. diese pionierleistung war ein versprechen für die zukunft – und ein endgültiger abschied vom vertrauten, abgekapselten ambiente der vergangenheit, das zeigt die ausstellung „metamorfosi di una valle“ in neun attraktiv gestalteten räumen umfassend: viele neue arbeitsplätze statt massenhafte abwanderung, asphaltierte strassen statt einfache pfade, der lärm der betonmischer statt die pfiffe der murmeltiere. nicht nur regierung und parlament hofften auf den riesigen mehrwert dieser anlagen, sondern auch die bevölkerung, doch hier war das unbehagen trotzdem gross, allzu viel liebgewonnenes zu verlieren. die stauseen führten zu einer drastischen verringerung der wassermenge in bächen und flüssen, mit negativen auswirkungen auf fische, grundwasserspiegel und landschaft. auch nach 60 jahren ist die frage der restwassermenge immer noch umstritten, vorteile versus opfer des radikalen eingriffs. der besuch dieser ausstellung verdeutlicht beispielhaft, was auch für andere mega-projekte gilt: visionen haben die kraft, die welt zu verändern, doch ihre risiken und nebenwirkungen kann beim start niemand abschätzen. visionen und ängste gehören untrennbar zusammen.

zahlreiche begegnungen mit menschen vor und nach dieser metamorphose zeigt auch kurt kollers filmessay „vento di vita vera“ von 2022 – hier der link zum kostenlosen streaming der deutschen version auf vimeo:
https://vimeo.com/showcase/10236156?video=842402083

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