Freitag, 10. April 2026

LUZERN: GODS' DAWN

und schon wieder weltuntergang….. wotan hat`s nicht mehr im griff und den schicksalsgöttinnen ist der faden gerissen, der vergangenheit, gegenwart und zukunft verbindet, ende, aus, black. soweit, leicht zugespitzt, der inhalt der „götterdämmerung“. richard wagner braucht dafür viereinhalb stunden, das luzerner theater schafft’s in der box in 70 minuten. „gods‘ dawn“ nennt sich das jetzt neudeutsch und ist kein schwer verdaulicher opern-marathon, sondern ein rasantes, von gedankensplittern durchsetztes tanzstück, das sich mit viel jugendlicher energie an „die letzte strophe vor der katastrophe“ klammert. regisseurin brigitte dethier und choreograf ives thuwis haben aus dem finalen teil des „ring des nibelungen“ nur einzelne motive übernommen und wagner gemeinsam mit mitgliedern des schauspielensembles und studierenden der musical factory ins heute weiter gedacht. endlose rote stricke hängen und liegen im raum, zum power-sound von mo sommer entwickelt sich zwischen und mit diesen schicksalsfäden ein schweisstreibender tanz, diese menschen sind hin- und hergerissen zwischen den prägungen der vergangenheit und den zumutungen der gegenwart. sirenen heulen, die neusten schreckensnews werden verlesen und max faatz zählt in einem immer erregteren staccato-monolog sämtliche ängste auf, die junge menschen heutzutage umtreiben, gefühlt 250. angst, wut und witz überlagern sich, wenn etwa amélie hug sich vor kichern kaum halten kann beim gedanken an die „volksinitiative zur zwangssterilisation aller cis-männer“, womit sich dann das patriarchat in ein paar jahrzehnten endlich erledigt hätte und „alle anderen geschlechter“ am drücker wären. immer wieder ist zwischen den harten, dröhnenden beats platz für träume, utopien und sehr persönliche bekenntnisse, für umarmungen, für generationenübergreifende sorge und fürsorge. inmitten all der schicksalsfäden bewegt sich „gods‘ dawn“ zwischen totaler erschöpfung und der hoffnung, dass das ende vielleicht doch nicht das ende ist.

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