Donnerstag, 23. April 2026

SCUOL: MIT TRÄUMEN

1904 wurde am piz pisoc hoch über tarasp im unterengadin die letzte bärin auf schweizer gebiet erlegt – und dann im grand hotel unten am inn als festmahl verspeist. das badehaus gleich nebenan hat die fundaziun nairs scuol 1988 zu einem kunstlabor umfunktioniert und die künstlerinnen und künstler, die hier jeweils für längere zeit residieren, berichten immer wieder, dass sie an diesem ort – der fluss! die berge! – besonders viel und wild träumen. und es verwundert kaum, dass oft tiere durch diese nächtlichen phantasien streifen, bären, ziegen, spinnen. diese erfahrungen greift die fundaziun nairs jetzt auf in der ausstellung „mit träumen“. angelika annen, benjamin egger, june fischer, stefanie salzmann, sophie schmidt und vital z’brun gewähren einblicke in ihre traumwelten: einer mikrowelle wachsen haare, einem in der limmat treibenden legt sich ein biber auf die brust, eine qualle fliegt am himmel, ein delphin sitzt allein in einem kino und betrachtet auf der leinwand ein steckenpferd, ein mann hat dutzende von zigaretten gleichzeitig im mund, schwarzkrustige hunde lachen über die menschheit, die sie überlebt haben. „träume ich? spielt es eine rolle, ob ich wach bin oder träume?“ fragt angelika annen in einem auf den boden projizierten video. oder ist es ein fisch, der das fragt? auch tiere träumen, auch tiere haben ein bewusstsein, warum also nicht die festgefahrene hierarchie zwischen mensch und tier überdenken? „mit träumen“ ist eine verspielte einladung, das destabilisierende und das transformierende potenzial von träumen in und auf uns wirken zu lassen. träume kann man deuten, das muss nicht sein, man kann sie auch als inspirationsquelle sehen: die nacht als lieferantin ganz neuer perspektiven für den alltag.  

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