Dienstag, 5. November 2024

LUZERN: DER KLEINE LORD

138 jahre alt ist die geschichte – und die kinder fiebern mit, als hätte sie sich gestern in der nachbarschaft ereignet: da wird ein siebenjähriger aus seiner umgebung in den hinterhöfen new yorks, wo er mit seiner mutter und guten kumpels zufrieden lebt, einfach herausgerissen und nach england verfrachtet, weil sich herausstellt, dass er der alleinerbe eines englischen grafen ist und dieser, sein garstiger grossvater, ihn unbedingt bei sich haben will. „der kleine lord“ von frances burnett, das diesjährige kinderstück des luzerner theaters, bietet das volle programm: einen loop von der unter- in die oberschicht, anderes land, andere menschen, andere sitten. amélie hug spielt diesen cedric als aufgeweckten, quirligen kerl, ein platinblonder strubelkopf, der noch aus der unerfreulichsten situation das beste macht, sowohl als strassenjunge wie als kleiner lord, eine prima lektion in sachen flexibilität. mit seiner unerschrockenheit und menschenfreundlichkeit hat cedric das junge publikum subito im sack – und zunehmend dann auch den grossvater (christian baumbach), für den es üppigen szenenapplaus gibt, als er sein hartes herz mal beiseite lässt. carolin mittler zaubert viel stimmung auf die bühne, mit schummrigen gassen in new york und einem witzigen giftgrünen salon in england, und darin inszeniert brigitte dethier die geschichte höchst amüsant und temporeich, bisschen grusel mit fledermäusen und sternschnuppen, bisschen krimi, bisschen klamauk, bisschen kitsch. und das alles ist nur die verpackung für cedrics durchaus weihnächtliche botschaft, dass freundschaft doch einfach mehr zählt als geld und geschenke: „we´ll be standing side by side, together we shall be“, singen sie beim finale vereint auf der bühne. ob das frühenglisch im jungen publikum dafür reicht? der begeisterte applaus beweist, dass sie´s verstanden haben, so oder so. 

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