da steht er. weit, weit hinten auf der bühne des münchner volkstheaters und ganz in rotes licht getaucht. er, der reichspropagandaminister. mit eisig-schmieriger stimme begrüsst jan meeno jürgens als goebbels seinen gast und hält ihn auf distanz, 20 meter mindestens, so demonstriert man macht. der gast vorne an der rampe ist filmregisseur g.w. pabst, einst bekannt als „der rote pabst“, kommunisten und juden nicht abgeneigt. und jetzt soll er also filme für die nazis drehen. regisseur christian stückl lässt dieser zentralen szene viel raum: wie goebbels pabst zu einer entschuldigung für sein früheres schaffen nötigt, wie er droht, ein wenig, dann immer mehr, schliesslich mit dem kz, falls der gast nicht spuren sollte. pabst hält das alles für ein missverständnis, obwohl er sich mit seiner freiwilligen rückkehr aus den usa selber in die situation manövriert hat – und knickt schliesslich ein, bis zum finalen hitlergruss mit dem herrn minister. das würgt. der roman „lichtspiel“ von daniel kehlmann war vor einem jahr ein bestseller, ein pralles panorama, das mit dem echten pabst recht frei umspringt: die unfreiwillige zusammenarbeit mit leni riefenstahl, die affäre mit der diva louise brooks, eine am faschismus verzweifelnde gattin und ein sohn, der plötzlich als begeisterter hitlerjunge vor der türe steht. nicht alles gelingt in stückls umsetzung so konzentriert, so dicht wie die goebbels-szene. silas breiding als pabst wird eindimensional karrieregeil angelegt, viele dialoge an der rampe geraten zu erklärstücken und werden mit alten filmsequenzen schulbuchhaft illustriert. was bleibt, ist ein leben zwischen falschen entscheidungen und faulen kompromissen. obwohl sich die inszenierung konsequent in der vergangenheit bewegt, stellt sie immer wieder die zunehmend aktuelle frage: wo liegt die verantwortung jeder und jedes einzelnen, wenn das grosse ganze abzudriften beginnt?
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