der kultfilm "les enfants du paradis" von marcel carné und jacques
prévert (1945) hat es dem brasilianischen choreographen fernando melo
angetan: liebe zum theater, liebe im theater, grosse gefühle, bitteres
ende, was für ein stoff. melo nimmt fragmente dieser tragischen
liebesgeschichte, die in den oberen rängen des theaters spielt, im olymp
eben, auf den billigen plätzen, und komponiert daraus einen
zauberhaften tanzabend fürs luzerner theater; mit musik von chopin,
debussy und peteris vasks, live und ausgesprochen stimmig dargeboten von
einem streichquartett und einem pianisten. der abend besticht vor allem
durch seine phänomenalen visuellen effekte: menschen im spiegel werden
lebendig, zu erotischen träumen tauchen zärtlich arme und beine der
ersehnten abwesenden aus dem nichts in den betten auf, tänzer fliegen
scheinbar schwerelos durch die lüfte, ein liebhaber verschwindet hinter
einem vorhang und nach sekundenbruchteilen nur gibt dieser vorhang einen
anderen liebhaber frei. freundinnen und freunde der akrobatik und der
zauberei kommen hier eindeutig noch mehr auf die rechnung als jene des
tanztheaters. da wird getrickst, was das zeug hält, und man guckt und
guckt und staunt und kann es weder verstehen noch glauben. diese "kinder
des olymp" sind eine überzeugte und überzeugende liebeserklärung ans
theater, an seine magie und seine poesie.
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