ein pelzmantel liegt am boden und wartet auf seine bestimmung, die bühne ist in verführerisches blau getaucht, lichterketten, discokugel, sterne am himmel: auftritt céline dion. respektive: auftritt jacob hutner, der sich für céline dion hält, nächstens zur welttournée aufbrechen will und also in pathologischer sorge um seine stimmbänder ist. seine eltern bringt das zur verzweiflung – und jacob in die psychiatrie. „james brown trug lockenwickler“ heisst die geniale, zwischen irrsinn und melancholie pendelnde komödie der französischen starautorin yasmina reza, die das theater nawal jetzt im luzerner theaterpavillon zeigt. wenn die welt spinnt, findet man das glück möglicherweise nur noch im eigenen kopf. in jacobs kopf wimmelt es von mikrofonen, scheinwerfern, showelementen. in diese surreale welt lässt regisseur reto ambauen das ensemble eintauchen und herumirren, die fünf erledigen das mit viel französischem charme und einem enormen feeling für absurde pointen. die auftritte von jacobs psychiaterin werden immer schräger („ich fahre von paris nach san remo ohne ein einziges mal zu bremsen“), die auftritte von jacobs vater erschreckend aggressiv, womit sich zunehmend die frage stellt, wer eigentlich die wirklich durchgeknallten sind. und vor allem: wer bestimmt, wer auf welche weise glücklich sein darf? jacob/céline findet einen freund in der klinik, philippe, einen bleichen jüngling, der sich als schwarzer aus amerikas süden erlebt. es ist ein genuss, den beiden zuzuschauen, wie sie sich necken, wie sie liebevoll ihre meinungsverschiedenheiten austragen, wie sie es gut haben, einfach gut. doch céline verabschiedet sich, von philippe, von ihren eltern, von der psychiaterin: sie muss ja auf welttournée….. komödie, soll sie richtig sitzen, gehört zum schwierigsten im theater. komödie mit tiefgang und von laien gespielt ist noch um einen dreh anspruchsvoller. dem theater nawal ist es geglückt. chapeau!
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