Donnerstag, 22. Januar 2026

SOLOTHURN: MEHR LICHT

normalerweise finden sich in jeder kunstausstellung als garnitur auch ein, zwei videos, bisschen bewegung, bisschen auflockerung, tut immer gut. und jetzt: ein ganzes museum, drei etagen voll mit videos, das ist vielleicht eine lust. „mehr licht“ heisst die grosse schau im kunstmuseum solothurn, eine bestandesaufnahme der videokunst von ihren anfängen (mit schweren videorecordern und teuren magnetbändern) bis heute, mit videos und videoinstallationen von über 30 künstlerinnen und künstlern. das führt von reinhard manz‘ aufmüpfigem happening „entschriftung der greifengasse“ in basel (1983) über pipilotti rists legendären „pickelporno“ (1994) und élodie pongs „secrets for sale“ (2003), die die grenzen von privatheit und öffentlichkeit sprengen, zu judith alberts hochpoetischer „engstlenalp“ (2021). besonders prominent ausgestellt wird christoph rütimanns „tetrasphereline“: er baute sich eine riesige skulptur aus stahlrohr, eine verschlungene endlosschlaufe, auf die er eine kamera montierte, die auf dieser schlaufe ihre runden drehte. das ganze fuhr auf einem güterwagen die bernina-strecke von landquart bis tirano ab. man wird hier also teil einer expedition der besonderen art, die bahn in bewegung, die kamera in bewegung, die welt mal von oben, mal von unten, mal seitlich vorbeirauschend, immer neue blickwinkel, eine permanente wechselwirkung von raum und zeit. oft spielt die videokunst mit sich selbst und immer spielt sie mit uns und den grenzen unserer wahrnehmung. dieses medium verwandelt die kritik an den zuständen in einen gigantischen bilderrausch und fordert uns heraus, diesen rausch zu ertragen, die rätsel zu entschlüsseln, kurz: die welt mit anderen augen zu sehen. das ist abwechslungsreich, kurzweilig, anregend, man kann sich hier stundenlang verweilen und verlieren – und das ist noch nicht alles: „mehr licht“ wurde als doppelausstellung konzipiert. die zweite, komplementäre hälfte startet ende monat im aargauer kunsthaus.

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