Mittwoch, 15. Juli 2026

MÜNCHEN: COMMON GROUND

es ist ja wirklich nicht einfach mit uns theaterkritikern, den schauspiel-, opern-, tanzkritikern und -innen, all diesen entweder dilettanten und dilettonkeln oder besserwissern und -innen. der schwedische choreograph alexander ekman hat (wie viele andere) die schnauze voll von diesem pack: „ich habe aufgehört, kritiken zu lesen.“ seine wut auf die kunstanalyse unbeteiligter wandelte er immerhin um in kreative energie und schuf – gegen „dieses unfaire system“ – das ballett „cacti“, ein rhythmisches spiel mit einer 29köpfigen tanzcompagnie und einem streichquartett, das sich jeder öffentlichen beurteilung entziehen soll. man sieht perfekt synchrone massenszenen mit 29 kakteen (danke, wir haben die symbolik verstanden), man erlebt ein famoses slapstick-paar, man hört aus dem off mehrheitlich unverständliche englische texte und irgendwann fällt eine staubige katze tot aus dem bühnenhimmel. ja, herr ekman, ich werde mich hüten, dieses nicht zur interpretation bestimmte werk zu analysieren und zu werten. spass hat´s trotzdem gemacht, sehr sogar. ekmans werk kombiniert das bayerische staatsballett unter dem allerweltstitel „common ground“ mit zwei weiteren halbstündern: „impasse“ von johan inger feiert – zu einer in allen farben schillernden musik des libanesisch-französischen komponisten ibrahim maalouf – die kraft, die in der jungen generation steckt, als letzte hoffnung angesichts der schwindenden ressourcen. es ist eine tänzerische meditation übers gegenseitige anziehen, einbinden, mitreissen, eine meditation mit viel pepp. „bella figura“ von jiří kylián schliesslich setzt sich zu lauter barockmusik mit der situation des performenden zwischen kunst und alltag auseinander, technisch bravourös, doch übertrieben artifiziell; diese choreographie aus dem jahr 1995 scheint in ihrer gepflegten beliebigkeit wie aus der zeit gefallen. doch pfui, heute keine noten, herrn ekman zuliebe heute ausnahmsweise keine noten.

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