Donnerstag, 30. Juli 2026

KÖLN: KOLUMBA

kolumbus kennen wir, klar. aber kolumba? kolumba wurde, so will es die legende, durch einen bären vor einer vergewaltigung bewahrt, später heiliggesprochen und dann zur patronin der zunächst romanischen, danach spätgotischen kirche mitten in der altstadt von köln. diese st.kolumba-kirche wurde am 2. märz 1945 durch einen schweren luftangriff zerstört. der grosse schweizer architekt peter zumthor realisierte dann - was ich bis jetzt nicht auf dem radar hatte - vor mittlerweile 20 jahren die neue kolumba: unten eine überaus sorgfältig inszenierte zurschaustellung der archäologischen überreste, aussen anstelle des kleinen mittelalterlichen friedhofs ein stiller, zur meditation einladender garten und oben das museum des erzbistums köln. und das dient nicht etwa katholischer selbstbeweihräucherung, sondern ist ein hochkarätiges kunstmuseum. zumthor schuf dafür 17 ganz unterschiedliche schlichte räume, gross die einen, hoch andere, ganz intim wieder andere, alle mit sandfarbenen betonwänden und von erhabener nüchternheit, ein überwältigendes raum-labyrinth. derzeit ist in der kolumba eine überbordende schau über kunst in zeiten der unvernunft zu sehen: "make the secrets productive", mit werken von über 50 künstlerinnen und künstlern, darunter josef albers, victoria bell, joseph beuys, david bowie, jannis kounellis. man kann sich für diese überreiche ausstellung keine schöneren räume wünschen. in einer stadt, in der kriegsbedingt eine architektur der flächendeckenden trostlosigkeit vorherrscht und talentbedingt auch sonst vieles schief läuft (einsturz des stadtarchivs wegen fehlern beim u-bahn-bau, renovation der oper jenseits aller budget- und zeitpläne), ist ein dermassen gelungener bau ein absoluter lichtblick. zumthor gelang gewissermassen das ei der kolumba.

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