Samstag, 27. Juni 2026

GISWIL: DUDUK UND NATURJUIZ

der durchhaltewille war grösser als die defizite der ersten jahre. zum glück. jetzt findet das volkskulturfest obwald in der waldlichtung gsang bei giswil bereits zum 20. mal statt und zieht tausende an aus stadt und land. eine absolute erfolgsgeschichte. das rezept für diesen erfolg formuliert obwald-präsident tobias lengen sehr treffend: „ein programm, das gegensätze nicht versteckt, sondern feiert und gerade dadurch verbindendes schafft. vielleicht ist das heute wichtiger denn je.“ weiss gott. 20 jahre also, 20 jahre verbindendes geschafft zwischen menschen, kulturen, ländern, erdteilen. und dieses jubiläum wird mit dem gastland armenien nicht nur würdig begangen, sondern grossartig. schon zu beginn – und nicht wie früher erst im verlauf des abends – stehen gastgeberinnen und gäste gemeinsam auf der bühne und dann immer wieder: armenische vokaltradition und naturjuiz, schwyzerörgeli aus nidwalden und sopransaxofon aus dem osten, das herzerfrischende bärgtalcherli aus lungern und das melancholische nairyan quartett, alphorn und duduk und asymmetrische klangtüfteleien, von generation zu generation überliefertes und exklusive weltpremièren – und auf dem tisch hindersimagronä oder khashlama karmir plaf. dieses miteinander, dieses spiel mit gegensätzen entwickelt jahr für jahr eine magische kraft, die das ganze publikum erfasst. wenn etwa simone felber ohne echo vom eierstock, dafür mit vier frauen aus jerewan und drei aus zürich den traditionellen "heuwfuederer" zu einer ballade arrangiert, die sich zwischen gurgelndstem jodel und spirituell-meditativem gesang bewegt, dann berührt diese emotionalität nicht nur mich, sondern ganz viele ganz tief. und karen asatrian aus armenien hat, aufbauend auf einer schlichten melodie, ein mitreissendes finale komponiert, das gäste und gastgeberinnen, alle stimmen, alle instrumente, alle formationen noch einmal spektakulär vereint, „von berg zu berg“ heisst es. das ist obwald - seit 20 jahren und hoffentlich noch lange: ein wald, wo alle grenzen lustvoll überwunden werden und wo die welt für ein paar stunden ein besserer ort ist.

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