ein bett versinkt in den fluten. august 2005, es regnete und regnete, hänge begannen zu rutschen, bäche wurden zu reissenden flüssen, überall geröll und schlamm, engelbergeraa, melchaa und sarnersee traten über die ufer, überschwemmten das land und zerstörten dörfer: der schock im kanton obwalden war gross und er wirkt nach. „flut“ heisst die neue videoarbeit von judith albert, sie beginnt mit einem alten doppelbett, hübsch weiss angezogen, daneben zwei nachttischchen, auf beiden schön akkurat eine vase mit lila blumen, das ganze leicht unscharf, das bett gerät in bewegung, neigt sich leicht, eine sturzflut ergiesst sich über die weissen laken, das bild jetzt immer verzerrter, eine braune brühe, immer heftiger, alles wackelt, die naturgewalt erobert den privaten, intimen ort, aussen und innen verschwimmen und lösen sich auf, sieben apokalyptische minuten, ein albtraum. diese grossformatige und grossartige projektion ist teil der ausstellung „fluss(ab)fluss“ im museum bruder klaus in sachseln. die katastrophe 2005 und die inbetriebnahme des hochwasser-entlastungsstollens jetzt anfangs juni gaben den impuls dazu und zum 400seitigen prachtband „das unerwartete“, sowohl ausstellung wie buch sorgfältig kuratiert vom luzerner verleger und galeristen gianni paravicini. neben judith albert versammelt er zehn weitere künstlerinnen und künstler, was zu einem vieldimensionalen panorama über die kraft des wassers führt, nicht nur die bedrohliche, zerstörerische, auch die inspirierende, lebensspendende, poetische. überall strömt und sprudelt und tropft es – bei der installation „leak“ von jul dillier und arthur fussy auf alte pfannen, giesskannen, musikinstrumente in einem boot, es tropft geradezu melancholisch dem zerfall und der vergänglichkeit entgegen. was ist der mensch gegen die natur? was macht der mensch mit der natur? „entgleitet uns die welt“, fragt altmeister kurt sigrist auf einem seiner bilder, ohne fragezeichen.
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