Montag, 26. Januar 2026

SOLOTHURN: KWEKU - THE NARRATIVE

jetzt fährt er mit seinem pick-up in ghana ananas, mandarinen und mangos durch die gegend und produziert mit ein paar frauen smoothies. kweku adoboli, der mann, der 2011 am etf-desk der ubs in london 2,3 milliarden in den sand setzte, betrachtet die wirtschaft nun von unten – und erzählt darüber auch in einer eigenen, viel beachteten radio-show. in ihrem film „the narrative“, der jetzt an den solothurner filmtagen première hatte, zeichnen die beiden dokumentarfilmer martin schilt und bernard weber die irre geschichte von kweku adoboli nach. „es war, als wolle man einen jumbo-jet mit vier brennenden triebwerken unter kontrolle bringen“, erinnert sich der heute 45jährige an die fehlspekulationen, die sein leben veränderten. er wollte sich nie persönlich bereichern, er wollte profit machen für die bank. adoboli übernahm die volle verantwortung und wurde in einem weltweit beachteten prozess zu sieben jahren gefängnis verurteilt und ausgeschafft: „ich wurde vom gericht für genau die eigenschaften bestraft, für die ich in der bank hochgelobt wurde.“ die ubs liess ihn erbarmungslos fallen, ein gieriger high-performer, ein sündenbock. doch alle in der bank wussten, wie es läuft, alle trieben die jungen trader an, alle jagten nach immer gigantischeren gewinnen, keiner schaute genau hin, fehlerkultur null. 17 mal wurde adobolis direkter vorgesetzter zu compliance-trainings aufgeboten, 17 mal ignorierte er die einladung. mit lauter schwarzen arrangierten die filmemacher und adoboli in ghana auch ein reenactment seines prozesses, das brutal verdeutlicht, wie niemand in der bank etwas gewusst haben will. doch das narrativ vom perfiden einzeltäter stimmt nicht, adobolis geschichte ist die geschichte eines skrupellosen, kranken systems. überstanden hat er das alles, das zeigt der film sehr schön, weil freundinnen und freunde aus der studienzeit in england immer zu ihm hielten. sie müssen ihn heute in ghana besuchen.

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