Mittwoch, 25. Februar 2026

LUZERN: HOFFNUNGSKONZERT

1461 tage krieg. zwei hohe töne spielt oleksandr panchenko auf dem flügel in der kirche st. karl in luzern, ununterbrochen diese zwei hohen töne. ist es die sirene eines polizeiautos? eine alte wanduhr im wohnzimmer? das ticken einer zeitbombe? dann mischen sich dunkle akkorde unter diesen monotonen zweiklang, sie werden immer lauter, ein beängstigendes grollen erfasst den kirchenraum, immer dissonanter, immer explosiver, das ist das chaos, das ist der krieg, das ist die verzweiflung und der tod. „mariupol“ heisst diese eigenkomposition, die panchenko hier ein erstes mal spielt. der blutjunge pianist wühlt auf mit seinem werk, das in die abgründe weist, in die die ukraine gestürzt wurde. am schluss wieder die zwei hohen töne, immer wieder die zwei hohen töne, endlos: zählt hier einer die sekunden? bis zum tod? bis zum frieden? oder sind es kinderstimmen? ist es die hoffnung auf eine andere zukunft? „mariupol“ steht im zentrum des konzerts, das der in luzern beheimatete ukrainische chor prostir zum vierten jahrestag des russischen überfalls veranstaltet. sie nennen es hoffnungskonzert: „musik kann erinnern, verbinden und hoffnung schenken.“ unter der so sympathischen wie professionellen leitung des jungen dirigenten oleksii yatsiuk, der zuerst in charkiw und dann in luzern studierte, singen sie alte und neue lieder aus ihrer heimat, sie singen an diesem tag auch gebete, sie singen lieder aus der schweiz („aus dankbarkeit für die solidarität der menschen hier“), ukrainisch, rätoromanisch, französisch, deutsch – die welt, wie sie sein könnte, in ihrer vielfalt. die neun frauen und drei männer singen aus vollem herzen, die musik ist ein wichtiger teil der ukrainischen identität und die kraft dieser musik steckt an, die jungen sängerinnen und sänger und das publikum. die hoffnung ist stärker als die trauer, seit 1461 tagen. was für ein bewundernswertes, starkes volk. slava ukraini! stay with ukraine!

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