als imperator zeigt der „spiegel“ donald trump auf dem titelbild, goldener lorbeerkranz auf dem goldenen haupt, der „stern“ schreibt, auch auf der titelseite: „sein zerstörerischer wahn erfasst nun die ganze welt“ – und das münchner volkstheater spielt, passender geht’s diese woche nicht, „caligula“ von albert camus, das drama über den irren römischen kaiser und seine absurde herrschaft. steffen link als caligula erinnert, nicht nur wegen lederkorsett und tüllrock, sondern in seinem ganzen gehabe an frank’n’furter aus der rocky horror picture show. doch die party hier ist nicht wie jene ein privatvergnügen, sondern ein grausames spiel mit der macht: er verhöhnt und tyrannisiert feinde und freunde, schnappt immer wieder über mit der stimme, hämmert vor wut gegen wände, sammelt leichen, blökt auch mal wie ein schaf, es ist der absolute nihilistische wahnsinn. die inszenierung von ran chai bar-zvi, auf quasi leerer bühne, orientiert sich unter anderem an römischen statuen und lässt caligulas hofstaat immer wieder in diesen klassischen posen einfrieren, ein starkes bild fürs erstarren angesichts der despotischen abgründe. alle rollen sind hervorragend besetzt, die dialoge präzis und scharf, doch der machtgeilheit dieses herrschers ist keiner gewachsen, und das kuschen vor ihm lässt einen mit den aktuellen bildern aus den usa im hinterkopf nur schaudern. sein schreckensregime ist für caligula ein spiel, ein spass, was ab und zu mit grellen showeinlagen unterstrichen wird („tanze samba mit mir“), wohl eine konzession ans jüngere publikum, durch die der inszenierung der konzentrierte blick aufs wesentliche ein wenig verloren geht. stark dann wieder der schluss: nach seinem gewaltsamen ende steigt caligula auf einen sockel, ein toter tyrann, eine statue als warnung. doch die welt lernt schlecht dazu.
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