Dienstag, 4. August 2026

ROTTERDAM: NEDERLANDS FOTOMUSEUM

eigentlich hätte das pakhuis santos, der alte kaffeespeicher am rijnhaven in rotterdam, eine filiale der gehobenen designmarke stilwerk werden sollen. der ausgesprochen stilvolle umbau, der die lagerhausatmosphäre bewahrte und dezent ergänzte, war weitgehend abgeschlossen, als sich die firma 2023 "aus wirtschaftlichen überlegungen" zurückzog. da packte das nederlands fotomuseum die gelegenheit und eroberte sich diesen grosszügigen neuen sitz, der in den historischen backsteinmauern auf fünf etagen und 10'000 quadratmetern aktuelle fotokunst ideal zur geltung bringen kann, traditie in transitie lautet das motto. rotterdam, diese mit aufregenden museen eh schon reich gesegnete stadt, kam so vor sechs monaten zu einem weiteren hotspot. im obersten stockwerk präsentiert "quickscan 3" werke von 20 jungen holländischen fotografinnen und fotografen. ebenso auffällig wie eindrücklich dabei, wie viele mit ihrem medium auf ganz unterschiedliche weise ihre biografie aufarbeiten. xiaoxiao xu zeigt fotocollagen mit kindern, riesigen händen und flutschigen ungeheuern, die sie als vorbereitung auf therapiesitzungen realisierte. anton shebetko dokumentiert die queere community in einer bucht auf der krim, die 2014 mit dem einmarsch der russen ein jähes ende fand. peter pflügler setzt seinem grossonkel hans ein denkmal, der sich ein leben lang selber fotografierte (ein selfie-pionier.....) und von dem trotzdem niemand etwas wusste oder wissen wollte und dessen suizid ein radikales tabu war. hunderte von bildern erzählen im nederlands fotomuseum hunderte von geschichten. und das ultimative bild, das die besucherin in all den ausstellungen vermisst, kann sie am ende per handy auf einen grossen screen hochladen, temporär, bis der nächste kommt - ein abbild unserer schnellebigen zeit.

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