der vater heisst matuško, der sohn heisst matusko, der hatschek auf dem s ist im verlauf der familienbiografie verlorengegangen, einfach weggeflogen, nein, nicht einfach so….. mit seinem roman „jugo“ (im suhrkamp-verlag) gelingt ilija matusko das kunststück, die schwierige beziehung zu seinem vater ausgesprochen sorgfältig, ja liebevoll zu beschreiben. der vater kam 1974 aus dem sozialistischen jugoslawien nach oberbayern, grafrath, grainau, murnau – sprachlosigkeit und einsamkeit am rand der alpen. hier wuchs der sohn auf. in murnau fand auch seine allererste lesung statt. seine heimat! der vater führte als koch gasthäuser, sieben tage die woche, „durchgehend warme küche“, weder zeit noch energie für die kinder, kaum gespräche, und wenn: „wenn ich anderer meinung bin, sagst du immer, ich würde es nicht verstehen.“ den ganzen roman schreibt ilija matusko in du-form, holt den vater so näher zu sich: du warst, du konntest, du hast, du wolltest….. nach jahrzehnten, er ist da schon geschieden, packt der vater überraschend seine sporttasche und fährt zurück nach plat bei dubrovnik. seine heimat! jetzt sieht ihn der sohn nur noch einmal im jahr, ein paar wochen im sommer, es ist kompliziert, doch die beiden beginnen zu reden, führen längst fällige gespräche, fahren an orte, die dem vater wichtig sind, streiten und raufen sich wieder zusammen. ein alter mann, der wenig worte macht, und ein junger mann, der worte liebt und von ihnen lebt. einmal fahren sie gemeinsam zurück nach bayern, elf stunden: „auf der autobahn, zwischen den orten, im unterwegssein, spüre ich, dass wir gerade hier, in der bewegung, im dazwischen, im nicht-hier, am ehesten zuhause sind.“ die beiden haben zwei verschiedene heimaten, sie sprechen zwei verschiedene sprachen und doch sind und bleiben sie trotz und mit dieser distanz vater und sohn. „jugo“ ist eine neuerscheinung, die es verdient, im trubel dieses bücherherbstes, neben dem literaturnobelpreis für anne carson und dem deutschen buchpreis für shida bazyar, nicht einfach unterzugehen. „jugo“ ist ein brillantes, kleines fundstück.
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