pina bausch lebt wieder. pina bausch lebt weiter. dass sich wildfremde menschen nach einer vorstellung anstrahlen, alle tief berührt und beglückt, das erlebt, auch wer oft ins theater geht, doch eher selten. „kontakthof“ heisst die legendäre choreografie, die pina bausch 1978 mit ihrem wuppertaler ensemble einstudierte: zu sentimental-schrägen tangoschlagern entwickelte sie in einem fin-de-siècle-ballsaal eine abgründige reflexion über beschwingtes und beschwerliches anbandeln, über das auf und ab von paarbeziehungen, über geschlechterhierachie. 2009 starb pina bausch viel zu früh. die australierin meryl tankard, die 1978 mittanzte, reanimierte das hinreissende stück vor eineinhalb jahren, mit sieben weiteren mitgliedern der originalbesetzung, alle jetzt menschen mit falten, die jüngste 70, der älteste 79. das ganze heisst nun „kontakthof – echoes of ‘78“ und gastierte diese woche beim lugano dance project. riesig flimmert die originalchoreografie als schwarz-weiss-projektion über die wände des ballsaals, dazu tanzen die acht attraktiven betagten teilweise synchron ihre schritte und bewegungen von damals, jugend und alter überlagern sich spielerisch. der hüftschwung gelingt den drei männern nicht mehr so subtil wie einst, die peinlichen tanzschul-annäherungen wirken noch etwas steifer, beim boogie geraten sie ausser atem – und alles wird immer wieder ironisch gebrochen. liebling, wie die zeit vergeht….. diese performance ist eine grandiose lektion, wie man trotz einschränkungen mit eleganz, stil und freude alt werden kann. am berührendsten sind die sequenzen, wo sich zwei im schwarz-weissen original aneinander schmiegen, liebevoll die hand auf die schulter des anderen legen, und wo der eine nach fünf jahrzehnten jetzt fehlt, nicht mehr dabei ist oder tot: dann tanzen sie allein weiter, verträumt, schmiegen sich ans nichts, legen die hand liebevoll auf nichts, umarmen die erinnerung. abschied, einsamkeit, versäumtes glück? zum heulen schön, überall im publikum tränen der rührung, eine sternstunde.
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