Montag, 10. August 2026

BASEL: LEBENS(T)RAUM MATTHÄUS

„mehr raum für menschen – statt für blech“ steht auf dem unübersehbaren banner, das sich über den anfang der matthäusstrasse in kleinbasel spannt. das matthäus ist ein quirliges quartier, x nationalitäten, x kneipen, x lebensentwürfe auf engem raum. ein jahr lang testet der kanton basel-stadt hier das superblock-modell: sechs verkehrsberuhigte strassen sollen ein nachhaltigeres und klimagerechteres wohnumfeld ermöglichen, parkplätze wurden (provisorisch) aufgehoben, liegestühle, blumentöpfe, pingpongtische und picknickecken möblieren jetzt fahrbahnen und trottoirs. das quartier erhielt ein völlig neues, sympathischeres gesicht. so richtig in fahrt kam der superblock dann dank einem umfassenden, höchst abwechslungsreichen kulturprogramm. diese private initiative einiger engagierter quartierbewohnerinnen und -bewohner belebt die freundliche umgebung, sie fördert die identifikation und den zusammenhalt und regt auf vielfältige weise an zum austausch über gemeinsamkeiten und unterschiede. das auffälligste, da permanent sichtbare projekt ist die partizipative fotoausstellung „lebens(t)raum matthäus“. alle im quartier waren eingeladen, fotos einzusenden. so kamen mehr als 300 momentaufnahmen zusammen, schulklassen beteiligten sich und altersheime, eine kleine jury wählte dann 74 bilder aus, die jetzt auf 20 plakattafeln überall im quartier gezeigt werden, 74 sehr persönliche und authentische blicke aufs matthäus, ein überaus kurzweiliges und anregendes stimmungsbarometer: kinder, die mit witzigen spielen hässliche betonarchitektur beleben; vier erwachsene, die – wie die beatles einst die abbey road – die feldbergstrasse queren; ein hund bei der morgengymnastik..... das kulturprogramm bietet aber auch körpermusik-workshops neben dem bio-markt, geschichtenwerkstätten, betreutes singen, parkplatzmalen, konzerte mit coolen cover-bands – ein toller groove, so geht quartierleben. wie die stadt dann allerdings weitermacht nach dem versuch, ist noch offen. da muss sich die initiative kulturgruppe wohl an das gedicht von hilde domin halten, das im rahmen von „lyrik für den superblock“ (noch ein projekt) an einem kleinen bäumchen am bläsiring hängt: „nicht müde werden, sondern dem wunder leise wie einem vogel die hand hinhalten.“

1 Kommentar:

  1. Welch wunderbarer Text! Da weiss einer zu flanieren, mit allen Sinnen offen für Lebensqualität steigernde Massnahmen im dichten urbanen Umfeld. Möge das Beispiel Schule machen! Und: DANKE!

    AntwortenLöschen