er war der „jedermann“ in salzburg, er feierte grosse erfolge in kinofilmen („alle anderen“, „nahschuss“, „personal shopper“ mit kristen stewart), er spielt an der schaubühne in berlin seit 2008 „hamlet“, bereits über 250 mal, und seit 2015 auch noch „richard III.“, ebenfalls marathonmässig, alles immer ausverkauft. lars eidinger ist ein theatertier und ein publikumsmagnet. langweilt sich so einer nicht bei der x-ten vorstellung? langweilt er das publikum? was ist da noch kunst und was blosse routine? um es kurz zu machen: man schaut diesem richard III. über zweieinhalb pausenlose stunden lang gebannt zu. in der regie von thomas ostermeier und auf einer spielfläche, die shakespeares globe-theatre nachempfunden ist, zieht lars eidinger sich und die zuschauenden immer tiefer hinein in diesen kosmos des bösen, der rache, des hasses, „ein diener der hölle“. schmierig lächelt er sich all seine intrigen zurecht, um auf den thron zu gelangen. dieser mann ist körperlich und moralisch verkrüppelt: im weissen t-shirt, mit klumpfuss und wegen dem massiven buckel nur einem hosenträger, turnt er über leichen, dann wälzt er im smarten slim-fit-anzug aalglatt und verschlagen die widerlichsten worte, wechselt vom geheuchelt vertraulichen ton in nullkommanichts zum jähzornigen brüllen, eine heavy performance, die ihren höhepunkt erreicht, als er im wahn all seinen toten opfern begegnet. das ist, auch elf jahre nach der première, hohe schauspielkunst. und was nicht allen grossen stars gelingt und diesen eidinger deshalb umso sympathischer macht: er spielt die anderen nicht an die wand, sondern reisst sie mit seiner unerschöpflichen energie mit und lässt ihnen raum für charakterstarke figurenentwicklungen. so bleibt dieser „richard III.“ nicht als one-man-show in erinnerung, sondern als fabelhafte ensemble-leistung, shakespeare vom feinsten.
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