Samstag, 29. August 2026

LUZERN: MAD KING & MEDEA

zwei menschen am abgrund eröffnen die saison am luzerner theater, zwei monodramen werden zu einem bewegenden abend zusammengefügt. „eight songs for a mad king“ von peter maxwell davis (1969) führt krass das innenleben von george III. vor, einem erfolgreichen und geschätzten könig, der vor 200 jahren in geistige umnachtung fiel. mit schrillen akkorden und verzerrten menuetten begleitet das luzerner sinfonieorchester unter der leitung von maria radzikhovskiy diese reise in den wahnsinn. robert maszl als könig reizt das spektrum seiner tenorstimme bis zum äussersten aus, abrupte register- und rhythmuswechsel, er spricht mit einem blumenkohl, will vögeln das singen beibringen, erbricht sich an seinem volk, zerschmettert die violine eines orchestermusikers. regisseurin marie lambert-le bihan zeichnet mit maszl ein eindrückliches, anrührendes porträt. mit leeren augen endet dieser könig in einem verzweifelten «i am alone». hoffnungslos allein fühlt sich auch medea im zweiten teil des abends: «mein name ist der fluch» heisst der heftige monolog der basler autorin ariane koch, worin die heimatlose zauberin und kindsmörderin die rezeption ihrer ambivalenten geschichte aus heutiger sicht hinterfragt und folgerichtig beim «bevölkerungsdienst» einen antrag auf namensänderung stellt, den fluch mit dem namen loswerden will. als auftragswerk des luzerner theaters vertonte die britische komponistin bushra el-turk dieses zwischen deutsch und altgriechisch, zwischen poesie und bürokratie mäandernde libretto. das orchester lässt sie flirrend und flüsternd und kakophonisch die extremzustände der menschlichen psyche ausmalen, ein melodischer reichtum, zu dem der gesangspart stark kontrastiert, ein oft monotoner sprechgesang voller verzweiflung, von der mezzosopranistin solenn’ lavanant linke eindringlich interpretiert. diese frau lehnt ab, was über sie geschrieben steht. «mad king & medea» passt bestens in eine welt, die menschen zunehmend in eine psychische enge treibt. wie schrieb schon elie wiesel: «wahnsinn ist eine frage, keine antwort.»

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