verführerische wärme und diabolische dunkelheit liegen in der stimme des amerikanischen baritons kyle ketelsen, womit er für die rolle des méphistophélès in charles gounods „faust“ absolut prädestiniert ist. es ist eine teuflische lust, diesem bösen buben zuzuhören und zuzuschauen, der tänzelnd alle fäden zieht, hinter jeder ecke lauert und mischelt und zunächst entsetzen heuchelt, wenn der mensch wieder mal ins unheil stolpert, um dann genüsslich grinsend mit seinem eleganten pferdeschwanz zu spielen. dieser ketelsen ist ein sängerdarsteller der extraklasse. seine phänomenale performance als charmeur aus der hölle bringt die absicht von regisseurin lotte de beer etwas in schieflage, die in ihrer inszenierung an der bayerischen staatsoper eigentlich die unglückliche liebe zwischen faust und marguerite und ihr uneheliches kind ins zentrum rücken wollte als grosses drama über verantwortung und gemeinschaftssinn. der teufel stiehlt ihr die show – was der teufel in uns allen ja auch immer wieder gerne versucht. immerhin sind faust (jonathan tetelman mit feurigem tenor) und marguerite (olga kulschynska mit introvertierter zartheit) ebenfalls erstklassig besetzt, womit die dreiecksgeschichte mit méphistophélès sowohl stimmlich wie auch psychologisch dauerhaft unter hochspannung steht. weniger geglückt sind die massenszenen (volksfest, kriegsheimkehrer, walpurgisnacht): die regie arrangiert sie auf der sonst eindrücklich schlichten bühne alle zu opulenten, aber ziemlich statischen tableaux und weiss mit dem riesigen chor erstaunlich wenig anzufangen, und dirigentin nathalie stutzmann trägt mit dem staatsorchester bei diesen gelegenheiten etwas gar dick auf – akustisch und optisch also alles sehr plakativ. in bester erinnerung bleiben dagegen die intimen momente, in denen gounods suggestive melodik und sein gespür für dramatische effekte die stimmen der solisten leuchten lassen, das ist dann romantik vom feinsten.
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