Samstag, 7. November 2026

MÜNCHEN: IL TRIONFO - INVENTAR EINES LEBENS

die schönheit und das vergnügen und die zeit und die ernüchterung haben´s nicht immer einfach miteinander. georg friedrich händel liebte allegorien und arrangierte mit diesen vier symbolfiguren „il trionfo del tempo e del disinganno“ (1707), sein von weltlichen und geistlichen motiven durchsetztes oratorium, kurz: die bekehrung der schönheit zu den wahren werten. so eine bekehrung dauert natürlich, bei händel gut zweieinhalb stunden, für die bayerische theaterakademie schufen der musikalische leiter joachim tschiedel und regisseur wolfgang nägele jetzt ein ebenso kurzweiliges wie stimmiges konzentrat: „il trionfo – inventar eines lebens“. mit viel esprit und frische (motto: let´s händel it…..) stürzen sich vier absolventinnen des studiengangs operngesang in dieses spiel der verlockungen und konflikte und bewältigen die zum teil hochvirtuose gesangsakrobatik mit hingabe und bravour – ein famoses quartett. so wird die inszenierung zu einem klingenden archiv der erfahrungen und irrtümer des lebens. die bühne ist ein hochregallager, auf dem einerseits das ebenfalls brillante instrumentalensemble geparkt ist und anderseits die requisiten der lebensabschnitte, die dann zum spielmaterial der allegorischen figuren werden. mal packen sie sich eine puppe, mal drücken sie widerwillig eine schulbank, mal schieben sie ein ehebett ins zentrum und gegen ende einen rollstuhl. händels wohl berühmteste arie teilen sich die vier - ungewohnt, aber schlüssig - unter sich auf, versammelt ums totenbett, sehr berührend: „lascia la spina, cogli la rosa“ (lass den dorn, pflücke die rose). was bleibt von einem leben? was hat bedeutung? was gilt es zu bewahren? rocking the barock, funktioniert bestens, die grossen fragen sind die selben geblieben. wer der schönheit mit wahrheit begegnet, trifft auf die vergänglichkeit.

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