Donnerstag, 3. September 2026

BERLIN: KYJIWS KULTURSTREITKRÄFTE

einmal mehr: die ukraine verteidigt nicht nur ihr territorium, sie verteidigt auch ihre reiche kultur. auch die "cultural forces", wie sie eine schriftstellerin nannte, sind seit über vier jahren im einsatz, widerständig und unermüdlich. während kyjiw derzeit immer heftiger von russischen raketen und drohnen angegriffen wird, findet die kyjiw biennale in berlin statt, im exil: "a bird that cannot land" lautet vielsagend das leitmotiv. 40 kunstschaffende, nicht nur aus der ukraine, dokumentieren und reflektieren im kw institute for contemporary art kriegsereignisse, kriegsfolgen, zermürbungserfahrungen. in "grey earth", einem animationsfilm von dana kavelina aus melitopol, kriecht ein erschöpfter soldat in der dunkelheit am boden und beginnt mit der erde zu sprechen, seiner heimaterde, was sie war, was sie ihm bedeutet, wie man sie ihm stehlen will. er dreht sich, es wird hell am himmel, doch das licht bringt keine hoffnung, er sieht eine drohne - direkt über sich. dunkelheit dominiert in vielen werken, vielschichtig, als reale oder als psychische erfahrung. diese intensiven zeugnisse zeigen, die kuratoren formulieren das sehr treffend, "wie konflikte die dunkelheit in einen raum der verletzlichkeit verwandeln, während sie zugleich die überreste von geschichten bewahrt, die sich weigern, zu verschwinden". anna zvyagintseva aus dnipro hat einige ihrer skizzen aus friedenszeiten mit massiven metalldrähten raumhoch nachgebildet, zum beispiel eine frau mit einem kind, das sich an sie schmiegt. das bild an der wand ist unvollständig, metallteile sind abgefallen, liegen chaotisch am boden, die stabilität ist brüchig. und doch: hier dominiert nicht dunkelheit, sondern die gleissend weisse wand dahinter, die die schwarzen drähte trotz den fehlenden teilen als ganzes bild wirken und leuchten lässt. was bleibt zählt, nicht was fehlt. ein starkes symbol.

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