989 tote, 2400 verletzte, 40´000 obdachlose – das war, vor jetzt 50 jahren, die bilanz der erdbeben im friaul. rombo nennen die italiener das beängstigende tiefe grollen, das einem erdbeben vorausgeht. und „rombo“ heisst der vielbeachtete roman, den esther kinsky vor drei jahren schrieb und den jakob altmayer im regiestudiengang der bayerischen theaterakademie jetzt als masterarbeit inszeniert hat. der junge mann versteht sein handwerk: mit dem dröhnen, dem donnern, dem grollen strukturiert und übertönt er kinskys textflächen, die – über lautsprecherboxen eingespielt – für ein erdbeben der stärke 6,5 auf der richter-skala erstaunlich emotionslos wirken. gewaltige steinbrocken, mehrere dutzend, lässt altmayer in der reaktorhalle zu beginn auf die bühne stürzen und in diesem trümmerhaufen schickt er zwei frauen und zwei männer auf eine expedition, mit stirnlampen, zehenschuhen, einer drohne. die vier sprechen wenig, dafür sprechen die steine, im wörtlichen sinn, diese brocken sind ein speicher der erinnerung. so wird der text zur partitur für sinnlich überwältigende klänge und bilder. mal versetzen sich die suchenden in ziegen, die die geologischen irritationen früher wahrnehmen als der mensch, mal studieren sie einen der volkstänze ein, die im tal des tagliamento eine lange tradition haben, mal sitzen sie um ein lagerfeuer – und immer wieder werden sie von diesem ganz und gar unheimlichen rombo überrascht und weggefegt. was ist sicherheit? was ist vertrauen, vorahnung, veränderung? mit zeitlupenartiger langsamkeit sortieren die vier die trümmer immer wieder anders, neue bilder entstehen, doch die landschaft vergisst nicht, die narben bleiben. so destilliert diese inszenierung die erdbeben vom mai und september 1976 zur existenziellen metapher: wem einmal der boden unter den füssen wegbricht, der wird ein anderer, sein leben („die liebe, die arbeit, die nachbarschaft, die musik“) teilt sich in ein davor und ein danach.